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Interview mit Don Alexander

Interview mit Don Alexander

 

P: Peter Mascher
D: Don Alexander
Kursivschrift : Die Kommentare von Peter Mascher


« Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment, als ich Don zum erstenmal sah. Ich flog nach London, fand seine kleine Praxis mitten in der Stadt und er öffnete mir die Tür. Seine Augen leuchteten und seine herzliche Aufmerksamkeit war mir fast etwas ungewohnt.

Nun sitzt Don wieder vor mir, Jahre später, in meinem zuhause in Antwerpen und er schaut mich so an wie damals. Tagelang hatte ich mir überlegt, was ich ihn wohl fragen könnte, im Interview, und nun werfe ich alles über Bord. Es ist ein besonderer Abend. Wir hatten schon fünf gemeinsame Tage. Wir hörten viel Musik, meistens Bach, Goldberg-Variationen. Die klare Struktur und Essenz dieser Musik zieht uns beide an. Wir haben gemeinsam gekocht und bis in die Nächte hinein meditiert. Da war viel Licht und Reiki. So einige Prozesse zwischen uns haben wir auch durchlebt.
Morgen möchte Don meine Meisterausbildung beenden und ich fühle mich wie am Tag meiner ersten Einweihung, aufgeregt und dankbar.

Wir sitzen in Stille zusammen, für eine Weile, und dann schauen wir uns wieder an. Don macht es mir einfach mit den Fragen zu beginnen und es dauert nicht lange bis wir beim Thema "Liebe" angelangt sind. »

P : Ein wichtiger Teil der Liebe ist diese Fähigkeit mich selber anzunehmen und lieben zu lernen. Manchmal fühlt sich das an, als wäre ich egoistisch oder denke nur an mich selber. Ist es möglich ohne solche Schuldgefühle zu leben ?

D : Ja, schon vor ungefähr 2000 Jahren hat Buddha gelehrt, dass wir uns zuallererst wahrhaftig selbst annehmen müssen, da wo wir stehen und sehen, wer wir wirklich sind. Nur dann können wir damit beginnen uns innerlich zu wandeln. Und der Weg sich selber anzunehmen ist auch diese Fähigkeit sich selber zu lieben. Wir müssen lernen uns so zu lieben, wie wir sind, uns einfach wertschätzen wer wir sind mit allen unseren Fehlern und Schwächen. Dabei dürfen wir auch nicht vergessen, dass wir immer das bestmögliche tun in jedem Augenlick. Es ist vielleicht nicht das, was jemand anders in unserer Situation tun würde, aber wir geben immer gerade das, wozu wir im Moment in der Lage sind.

P : Das klingt sehr kraftvoll, braucht aber auch eine Menge Mut einfach so zu leben. Ist dieser Weg im Herzen unserer Reiki-Praxis ?

D : Ich habe immer gelehrt, das Reiki eine Ausdrucksform von Liebe ist. Da muss ich nun natürlich in der Lage sein, näher zu erklären, was ich mit dem Wort «  Liebe » meine. Liebe ist vielleicht gar nicht mit Worten zu fassen ausser in der Poesie. Wir können aber ihr Gegenteil anschauen. Dann sehe ich deutlich, dass ich mich mit weniger Liebe einfach getrennter fühle von Dir und auch von anderen Menschen um mich herum. Desto weniger ich liebe, desto mehr spüre ich mein Getrenntsein. Ich erfahre also auf diese Weise, dass mein Gefühl des getrennt seins weniger wird, wenn ich mehr Liebe gebe. Und wenn das wahr ist, dann muss ich mich letztendlich fragen, was perfekte Liebe für mich bedeuted. Gibt es dann noch irgendein Getrenntsein auf irgendeiner Ebene ? Was auch immer wir tun in unserem Geist und mit unserer Achtsamkeit, es entsteht dort Liebe, wo wir diese Wahrnemung von Distanz und Getrennt sein zwischen uns und anderen Menschen etwas loslassen können.

P : Ich denke gerade daran, dass Buddha nie so direkt über Liebe gesprochen hat, obwohl sie doch so im Zentrum der Praxis steht. Warum ist das so ?

D : Nun ja, Liebe ist, wie wir alle wissen ein grosses Wort, so ein riesengrosses Wort, dass es geradezu einlädt dazu ungenau oder sogar falsch verstanden zu werden. So als Wort hat es viele Facetten und kann somit auch für jeden von uns viele Bedeutungen annehmen. «  Liebe » kann in Verbindung zu grösster Tyrannei stehen, wenn z.B.ein Partner zum anderen sagt : «  Ich liebe Dich, Schatz, ich liebe Dich so sehr, aber wenn Du mit jemand anderem länger sprichst, oh dann kann aber was passieren... ! »

Hier lachen wir beide !

P : Das ist stark an Bedingungen geknüpfte Liebe, fast Erpressung !

D : Ja, das ist tatsächlich überhaupt keine Liebe !

P : Das ist klar !

D : Das Wort « Liebe » wurde schon immer zur Drangsalierung von Menschen benutzt. So fühlen sie sich oft gefangen in dem was man so Liebe nennt. Zum Beispiel denke ich da an Eltern, die ihrem Kind mit gar nicht so perfekter Liebe begegnen. Ein Kind kennt nur reine Liebe in sich, ein Baby strahlt nur so davon. Es gibt da kein Gespür, nicht mal einen Wunsch für Abgrenzung, nur ein klares Gefühl von Einheit und Eins sein. Und dieses Gefühl wird dann öfters verletzt oder sogar bestraft. Manchmal wird es so tief zerstört, dass das heranwachsende Kind völlig irritiert ist, was nun Liebe eigentlich bedeuted. Ein Kind wünscht sich und braucht Liebe mehr als alles andere auf der Welt.Aber hier ist es oft am meisten verstört, wegen unklarer und machmal schmerzvoller Beziehungen gerade zu den Menschen, die es am meisten liebt und auf die es am meisten angewiesen ist. Gerade Eltern sollten ihren Kindern viel Liebe entgegenbringen.

P : Oh ja , mein inneres Kind weiss viel hiervon und ist ganz eins mit dem was Du sagst.
Manchmal, wenn ich meine Liebe zeigen möchte, ist da eine Grenze über die ich nur schwer hinweg komme. Was könntest Du mir raten ? Wie kann ich diese Grenze überwinden, Liebe geben, wenn im Moment erstmal garnichts da ist ?

D : Machmal müssen wir Umwege gehen. Wir müssen in uns hineinschauen und erkennen, wie sich das Gegenteil von Liebe gerade in uns ausdrückt. Sehr oft, wenn wir Liebe zeigen wollen, kommen da auch Gefühle wie Gleichgültigkeit, Ärger, Wut oder Angst hoch. Öfters sehen wir das in Beziehungen. Partner sind manchmal besonders dem Menschen gegenüber agressiv, dem sie am nächsten sein wollen. Da kommt so viel Agression hoch- Schreien, Streiten, Schlagen- alles Dinge, die im Konflikt geschehen, auch wenn Menschen sich lieben.

Wir müssen uns die Natur dieses Konfliktes genau anschauen, den Ärger, woher er eigentlich kommt und dann Wege finden ihn zu verwandeln und loszulassen. Auf diese Weise wächst in uns mehr Liebe und wir müssen uns zuallererst selbst annehmen und lieben lernen, auch wenn wir sehr ärgerlich sind so mitten in einer Konfliktsituation. Liebe beginnt immer mit dem sich selbst annehmen. Wir müssen einfach erstmal akzeptieren was los ist und dann damit arbeiten. Und es gibt da viele Wege und Möglichkeiten, dies in die Tat umzusetzen.

P : Ist das ein Teil Deiner Reiki-Praxis ?

D : Ja, es steht in tiefer Beziehung zu meiner Praxis. Eine regelmässige Selbstbehandlung verwandelt uns auf ganz sanfte, unscheinbare Weise. Und da sind die fünf Lebensregeln, eine davon : « Gerade heute ärgere Dich nicht ». Hmmm. Ärger blockiert jeglichen Ausdruck von Liebe. Eine andere Regel lehrt uns , unsere Lehrer, Eltern, andere Menschen und jegliche Form von Leben in Ehren zu halten. Wenn wir immer ärgerlich sind, haben wir nicht mal eine Chance hiermit zu beginnen. Mit den Lebensregeln können wir ganz tief in uns selbst hineinschauen in unsere Widerstände und alles, was uns daran hindert mit ihnen im Einklang zu leben. Und wir sollten Reiki nicht von unserem Leben, unserem Alltag trennen. Wenn wir das tun, dann ist unsere Praxis nur Stückwerk und die Lebensregeln sind dann auch nicht wirklich gelebt. Wir müssen uns unser ganz eigenes Wesen anschauen und wen wir da in uns « spielen » lassen. Es ist wie eine Bühne des Lebens : Welche Rolle spiele ich heute und wie zeige ich mich da anderen Menschen gegenüber ? Und auch warum zeige ich mich gerade auf diese Weise ? Was sehen wohl andere Menschen in mir, wenn sie mich anschauen ? Wenn ich einen riesengrossen Spiegel herbeizaubern könnte, wen würde ich da wohl treffen ?

P : Ist Reiki-Praxis tatsächlich ein riesengrosser Spiegel ?

D : Oh, ja. Wenn ich die Praxis nur richtig anwende !

P : Was verstehst Du unter “richtig” in diesem Zusammenhang ?

D : Nun, wenn wir nicht mal in den Spiegel schauen, dann sehen wir auch nicht was da los ist. Wenn wir also nicht wirklich wahrnehmen, das Reiki uns einen Spiegel vorhält, gibt es einfach nichts zu sehen. Und wieso ist Reiki-Praxis ein Spiegel für uns ? Nun, wenn wir in dieser Welt handeln ergeben sich daraus Folgen für uns. Es ist wie ein Stein, den Du in einen Teich wirfst. Es enstehen kleine Wellen und wenn sie den Rand des Teiches erreicht haben, dann schlagen sie wieder um und kehren zurück. Und so ist das auch mit uns Menschen. Was immer wir auch tun mit unserem Körper, unserem Geist, unserer Sprache, wir schicken Wellen hinaus in den Ozean des Universums, in den Ozean des Bewusstseins. Und diese Wellen kommen zurück als genaues Abbild dessen was wir getan haben. Was wir also alles im Leben so erfahren ist somit eine Reflektion, ein Abbild dessen wer wir wirklich sind.

P : Das spricht mich wirklich an und ich sehe Deine buddhistische Natur während Du sprichst. Gibt es für Dich eine offensichtliche Verbindung zwischen Buddhismus und Reiki ? Ist es ratsam, sich an die Lehren Buddhas heranzuwagen, um zu einem tieferen Verständniss unserer Reiki-Praxis zu gelangen ?

D : Für mich ist die Reiki-Praxis ein spiritueller Weg. Einer von vielen möglichen Wegen. Wir wissen aus der Geschichte, dass Mikao Usui ein Tendai-Buddhist war, so wie seine ganze Familie. Zu Usui's Teenagerzeiten begann man damit in Japan den Buddhismus öffentlich abzulehnen. Der Kaiser und die führende Schicht bevorzugten die alte original japanische Shinto-Religion und wollten Vermischungen mit buddhistischen Elementen verhindern.

Als Usui anfing zu lehren, war es nicht möglich für ihn einen rein buddhistischen Weg einzuschlagen. Er wollte, dass ihm andere Menschen in der Lehre folgen konnten und das auf einem Weg ohne Konflikte. Er wünschte sich einen Weg, der für alle Menschen offen war.

Der Buddhismus war jedoch ein tief verwurzelter Teil seiner Jugend. Er lernte in einer buddhistischen Klosterschule Lesen und Schreiben. Auch Kampfkünste übte er seit früher Kindheit. Sein Training fand in einem buddhistischen Umfeld statt und wurde dann so auch Teil seines Lebens und fand Eingang in seine Lehren. Seine Praxis war inspiriert durch den Buddhismus, konnte aber von allen Menschen erlernt werden, ob sie nun eine andere Religion hatten oder überhaupt nicht religiös interessiert waren.

P : Ich sehe da den spirituellen Weg einfach dieser Energie zu folgen, die sich in der Praxis entfaltet. Weisst Du wie Usui zu dieser Energie fand oder besser die Energie zu Usui fand ? Wir kennen diese wunderschöne Geschichte von Frau Takata, wie Usui zu Reiki kam. Wie sieht Deine persönliche Verbindung hierzu aus ?

D : Usui übte sich in Meditation. Wenn wir so üben, dann bekommen wir tiefe Einblicke in uns. Auch wenn wir das nicht wollen, so passiert es einfach, während wir still sitzen. Es tun sich dann Konflikte auf allen möglichen Ebenen in unserem Wesen und vor unserem inneren Auge auf. Wenn wir nun nicht mehr ausweichen, rangehen und diese Konflikte langsam aufarbeiten, dann beginnt die Energie um uns und in uns freier zu fliessen. Wir werden nicht nur kraftvoller in unseren Bewegungen sondern auch achtsamer und feinfühliger im Umgang mit der Energie und spüren diese Gabe an andere Energie weitergeben zu können. Usui war auch ein sehr aktiver Mann und übte Kampfkünste. Er sammelte viel Erfahrung auf den Bergen rund um Kyoto. Er war mehrmals 21 Tage dort in den Bergen, meditierte, fastete und praktizierte über seine körperlichen Grenzen hinaus. Es ist auch heute noch eine viele Jahrhunderte alte Tradition in Japan lebendig, die die Menschen auf ihrem spirituellem Pfad tief in die Berge führt. Man nennt sie Yamabushis, ja, Yama ist ein Berg und Yamabuchis, die auf dem Berg schlafen. Sie praktizieren dort, fernab von den Städten, und der Berg selbst ist ihr Lehrer. Die Natur selbst ist ihr Lehrer und Usui war einer von ihnen. Wenn wir es der Natur überlassen uns zu lehren, dann durchschreiten wir immer unsere persönlichen Grenzen.

P : Spürst Du, dass das für Usui auch eine extatische Erfahrung gewesen sein könnte  ?

D : Es war sicherlich beides, sowohl schmerzliche Erfahrung, wahrscheinlich sogar das meiste davon recht schmerzvoll und schwierig und dann über den Schmerz hinaus auch eine neue Freiheit, sicher auch extatisch für ihn.

P : Oh, ja !

D : Das wunderschöne an Reiki ist, dass Usui Wege fand, seine Erfahrungen auch an die Menschen weitergeben zu können, die keine Möglichkeit hatten in den Bergen zu üben, weil sie zu alt und gebrechlich oder krank waren, weil sie in den Städten arbeiteten oder weil sie einfach Stadt- und keine Bergmenschen waren. Nur durch eine einfache Übertragung, die wir « Reiju » nennen, eine Weitergabe einer klaren, reinen Absicht, allein hierdurch hat er seine Erfahrung auf dem Berg anderen Menschen zugänglich gemacht.

P : Reiju ist der Prozess einer Einstimmung und bringt uns in Kontakt mit der Energie. Kannst Du dies noch näher beschreiben  ?

D : In Reiju drückt sich eine klare, herzensreine, spirituelle Absicht gegenüber einem anderen Menschen aus. Die klare Absicht ihm oder ihr auf einen spirituellen Weg zu helfen und der Wusch, dass dieser auch Früchte tragen möge. Reiju gibt es in einem speziellen Rahmen. Beim erstenmal hat es die Funktion einer Einweihung in die Praxis, der Beginn eines neuen Weges oder Prozesses. Es ist eine Einstimmung in den Fluss von heilender Energie, Reiki-Energie.

Weitere Einstimmungen mit Reiju wirken dann unterstützend im Prozess. Die Energie verstärkt sich und breitet sich aus und die Verbindung zu ihr wird vertieft. Und dann kommt ein Punkt in der Entwicklung, wo der Wunsch entsteht weiter zu gehen. Dann wird Reiju wieder zu einer Einweihung mit einer klaren und reinen Absicht den Menschen in den nächsten Grad , einer weiteren Vertiefung seiner Praxis, einzustimmen.

P : Reiju wird nicht nur als Einweihung in die Reiki-Grade gegeben, sondern auch als Geschenk zwischen den Graden bei Reiki-Treffen oder sogar bei Behandlungen in der täglichen Praxis angeboten.

D : Oh, ja. Immer dort, wo ein Reiki-meister oder -Lehrer anwesend ist, der diese Praxis gelernt hat, wird Reiju gegeben auf Treffen oder zu anderen passenden Gelegenheiten zur Unterstützung von Reiki-Schülern aller Grade.

P : Ich habe meine ersten beiden Reikigrade zuallererst im Takatastil erlernt und für mich war diese Reiju-Praxis erstmal ganz ungewöhnlich. Sie formt die Schale für die Essenz im Meistertraining und gibt mir eine tiefe Verbindung zu Reiki. Siehst Du das auch so  ?

D  : Nun, lass mich diese Frage für einen Moment umgehen. In Japan gibt es noch eine alte Tradition, die begleitet wird von Einstimungen in verschiedenen Bereichen unseres Lebens. Zum Beispiel können Geschäftsleute eine Einstimmung erhalten auf einem bestimmten Level ihrer Arbeit um erfolgreicher zu werden. Studenten können eine Einstimmung erhalten um ihre Arbeit und den Erfolg an ihrer Universität zu fördern. Dies gilt z.B. auch für Handwerker, Kaufleute und Millitärs.

P : Das klingt ja interessant !

D : Wir können also sehen, dass es in Japan ein weites Umfeld für den Umgang mit Einstimmugen gibt. Es gibt nicht nur eine rein spirituelle oder religiöse Bedeutung.

Nun, wenn das klar ist, dann können wir auch die Reiki-Einweihungen näher betrachten.

Wie ich schon erwähnte, entspringen sie aus einer klaren, herzensreinen Absicht dem Menschen gegenüber, der sie empfängt. Nun, ein Reiki-Meister kann nur bis zu einem solchen Grad klare Absichten rüberbringen , wie er auch mit sich selbst im « Reinen » ist. Was beinhaltet so eine Absicht ? Jeder Meister hat sicher seinen ganz eigenen Grad an Klarheit. Und was spürt ein Meister da in sich als höchste Absicht für seine Schüler ? In diesem Zusammenhang ist es für mich absolut grundlegend und deutlich, dass jeder Reiki-Meister, der unterrichten möchte, sein eigenes Training sehr, sehr ernst nimmt. Wir können das Unterrichten nicht in einem « Wochenend-Seminar mit Einweihung » erlernen, und dann einfach hinausgehen und andere lehren. Ja, wir können die äussere Form einer Einweihung lernen, aber wo bleibt diese klare innere Einstellung, wo und wie zeigt sie sich in uns ? Und wie entwickele ich eine klare, herzensreine Einstellung gegenüber einem anderen Menschen und seinem höchsten Gut, seinem spirituellem Weg. Und so schauen wir uns mal das ganze Training all derer an, die wir so « Meister » nennen. Es liegt nicht an mir zu bestimmen, wie ein Training für andere aussehen sollte. Was ich selber als den Kern des Trainings wahrnehme ist für mich gleichzeitig die Essenz eines spirituellen Pfades. Aber ich möchte nicht behaupten, dass dieser Pfad nun buddhistisch, christlich, muslimisch, hinduistisch, taoistisch, shintoistisch oder was auch immer sein muss. Die Essenz des Trainings sollte einen Menschen tief in sein eigenes Wesen hineinführen zu den Wurzeln und der Quelle seiner Unversehrtheit. Von diesem Platz aus lernt er dann, was Heilung und klare Absicht bedeuten und wie sich das gegenüber anderen ausdrückt.

« Ich wechsele die Mini-CD und spüre wie unser Raum erfüllt ist von Stille und Energie, nicht nur von heute abend, sondern auch von all den anderen Tagen davor. Ich bin froh, dass ich viel Zeit mit Don hatte, denn was er von einem zukünftigen Meister verlangt ist viel und ich merke, dass ich weiterhin viel zu lernen habe. Wenn Don von Liebe spricht glaube ich ihm, denn ich habe nie ein ärgerliches Wort von ihm gehört und doch waren seine Absichten immer deutlich und klar.

Wir sprechen nun weiter über Meditation und Lichtarbeit und schliesslich auch über die Reiki-Symbole ».

P : Don, Du hast mir über die Jahre ein tiefes Verständniss für die Reiki-Symbole und ihre Bedeutung ermöglicht. Tragen diese Symbole einen wesentlichen Teil der Reiki-Lehre in sich ?

D : Die Essenz der Bedeutung liegt hinter dem Symbol und wenn wir uns nur tief genug auf ein Symbol einlassen, dann erfahren wir dabei auch etwas ganz bestimmtes. Diese Erfahrung ist sicher ein Herzstück unserer Reiki-Praxis. Und wie viele Symbole wir auch immer gebrauchen, jedes einzelne führt uns wieder in die Essenz von Reiki. Wir beginnen vielleicht von einem bestimmten Punkt aus, einer bestimmten Perspektive, und kommen doch immer wieder im Herzen der Praxis an. Ich beschreibe es öfter als ein kleines, sehr einfaches Haus mit nur einem Raum und drei oder vier Fenstern. Wenn wir nun da draussen stehen und durch eines der Fenster schauen, dann sehen wir den ganzen Innenraum, denn unser kleines Haus hat keine Möbel, die unseren Blick versperren könnten. Da ist einfach nichts und wir sehen den Innenraum so wie er ist als ganzes. Und wenn wir nun durch ein anderes Fenster schauen, sehen wir wieder den ganzen Raum nur von einer anderen Perspektive. Und so ist das nun auch mit dem Fenster auf der anderen Seite des Hauses. Wieder sehen wir den ganzen Innenraum eben nur aus einem anderen Blickwinkel. Die Reiki-Symbole geben uns Einsicht in die Reiki-Praxis als Ganzes, diesen Weg auf dem nichts fehlt. Und jedes einzelne Symbol gibt uns dann Einsicht von einem ganz bestimmten Blickwinkel.

P : Gibt es auch eine Reiki-Praxis, die über die Symbole hinausgeht ?

D : Symbole geben uns eine Möglichkeit, Essenzen auszudrücken, da wo Worte einfach versagen. In Japan gibt es auch die Tradition der Mantras und so ist jedes Symbol von einem Mantra begleitet. Man spricht es aus und es tut sich etwas. Es resoniert auf seine eigene Weise und bewegt etwas in der Welt. Wir können es auch ohne Symbol benutzen, das hat den gleichen Effekt. Nun, was noch über die Mantras hinausgeht, kennen wir in der Praxis als « Kotodamas ». Kotodamas gehen zurück auf eine sehr, sehr alte Shinto-Praxis. Sie repräsentieren die Essenz der Worte und ihrer Bedeutung. Einer Bedeutung, die schon da war bevor sie sich in Sprache äusserte. Kotodamas sind einfache Vokalklänge z.B. A, Ae, Ee,Oo und dann auch verschieden kombinierte Vokalklänge. Jeder dieser Vokale repräsentiert und steht für eine bestimmte spirituelle Qualität und Kombinationen dieser Klänge drücken dann Qualitäten und bestimmte Erfahrungen aus. Wir können Kotodamas anstelle der Symbole gebrauchen. Diese reinen Klänge vermitteln Essenzen noch eindringlicher als es Mantras tun. Und diese Klänge sind fast formlos. Sie haben eine Form, aber die ist z.B. nicht so klar und deutlich wie bei einem gezeichneten Symbol.

P : Für mich sind die Kotodamas eine ganz feine Essenz in der Reiki-Praxis, eine Essenz die sehr weit über jegliche Form hinausgeht. Eine kraftvolle Praxis besonders in der Gemeinschaft. Ist es das Ohr des Musikers in mir, der diese bestimmten Vibrationen besonders wahrnimmt oder sind diese Klänge einfach in sich so kraftvoll ?

D : Es ist sicher beides. Klang basiert immer auf einer Vibration. Wir müssen jedoch auch das Medium betrachten, in dem diese Vibration auftritt. In der Welt vibriert der Klang durch die Luft. Im Vakuum gibt es keine Töne, da ist nichts was vibrieren könnte. In der Athmosphäre vibriert Klang, im Wasser auch und auf diese Weise wird Klang transportiert, wo immer es ein Medium dafür gibt, einen Träger des Bewusstseins. Und im übertragenen Sinne schwimmen wir alle im Ozean des Bewusstseins. Dies ist keine besonders genaue Beschreibung, aber so ungefähr können wir uns das vorstellen. Mitten in diesem Ozean des Bewusstseins gibt es Vibrationen und Wellen. Die Symbole, Mantras und besonders die Kotodamas bringen Wellen in Gang in diesem Ozean. Diese Wellen bewegen sich und breiten sich aus von einem Ende dieses “endlosen” Ozeans zum anderen und sie berühren alles was in ihm lebt.

P : Das ist eine wunderschöne Beschreibung !

D : Dies ist der beste Weg für mich, die Bedeutung, Funktion und Natur der Kotodamas auf einfachste Weise aufzuzeigen.

P : Wenn es nun überhaupt keine Symbole, Mantras und Klänge gäbe, wie würde dann unsere Reiki-Paxis aussehen ?

D : Reiki wird getragen von einer klaren inneren Einstellung, einer herzensreinen Absicht Heilung zu bringen. Diese Absicht, wieder « ganz » zu werden, denn das ist die eigentliche Bedeutung von Heilen, wieder ganz zu mir zu finden. Und somit ist es auch die Absicht komplette Freiheit zu erlangen in mir selber und für andere Menschen. Und die einzige wahre Freiheit, die wir brauchen, ist die Befreiung von allem Leiden. Dies war der Wille Buddha's und sicher die Absicht aller Religionsführer und-stifter dieser Welt. Symbolisch bedeuted das die Rückkehr ins Paradies.

Wir hätten überhaupt keine Symbole, Mantras oder Kotodamas nötig, wenn wir von Natur aus eine ausreichend klare innere Einstellung, eine genügend reine, unschuldige Absicht für Freiheit und ganzheitliche Heilung von uns selbst und anderen Menschen in uns tragen würden. Wir hätten dann ganz sicher keine Formen, Strukturen oder irgendwelches Training nötig. Weil wir uns aber so einen klaren Willen, so eine reine, liebevolle Absicht einfach noch nicht erlauben oder zutrauen, haben wir Formen und Strukturen nötig, die unsere innere Einstellung unterstützen bis wir kraftvoller und klarer in unseren Absichten werden.

P : Ja, ich denke es ist sehr einfach meine persönlichen Absichten mit diesem klaren, reinen « Willen » zu vermischen. Könnte uns unsere Praxis im idealsten Falle dazu verhelfen diese zwei Dinge voneinander zu trennen ? Denkst Du, dass das möglich ist ?

D : Ja, es ist möglich, einfach weil die Symbole höchste spirituelle Qualitäten in sich tragen. Jedes einzelne Symbol steht für das, was wir im Westen « Gott » nennen würden, Gott von einem anderen Blickwinkel betrachtet. Nun, wenn wir das Wort « Gott » in den Mund nehmen, kommt für mich auch eine Menge Geschichte hoch. Ich denke da an die Kreuzzüge, Mord und Totschlag im Namen Gottes. Ich denke da an die Verbrennungen auf den Scheiterhaufen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Wahrnehmung und Lehren Gottes. Ich denke an philosophische Systeme, die die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes diskutieren. Wenn wir über Gott sprechen, über das Göttliche, können wir uns leicht in den geschichtlichen Hintergründen verlieren, in den persönlichen Deutungen dieser Worte und Inhalte.

Die Reiki-Symbole werden ausschliesslich zur Heilung und im Kontext von Energieübertragungen durch « Reiju » verwendet, immer in Verbindung mit einer rein spirituellen Absicht. Während wir so mit ihnen üben, ist nichts persönliches von uns in ihnen. Die Symbole sind universell. Ihre Bedeutung und die Essenz, die sie in sich tragen und diese höchste Absicht, die zu Tage tritt, wenn wir sie gebrauchen gehen weit über das Persönliche hinaus.

P : Würdest Du mir zustimmen, dass die Symbole mir letztendlich zeigen, dass Gott nicht irgendwo da draussen ist, sondern direkt in mir, mitten in mir ?

D : Die Symbole können uns nicht direkt an diese Erfahrung heranführen. Wenn wir sie aber auf richtige Art und Weise anwenden, dann können wir uns mit unserem Bewusstsein langsam in diese Richtung bewegen. Die Symbole selbst nehmen uns diese Arbeit nicht einfach so ab.

« Ich wusste, dass wir letztendlich über Gott sprechen würden und so ging unser Interview auch noch eine Weile weiter. Wir sprachen über Wege der Erleuchtung und unsere Vorbereitungen für eine gemeinsame Japan-Reise.

Don machte mir am Ende Mut meinen eigenen Weg zu gehen und zu vertrauen, dass Reiki selbst immer mein Lehrer sein wird. Ich dankte ihm herzlich für das Interview und spürte wieder diese Stille und Offenheit um uns herum. Es waren drei Stunden wie im Fluge vergangen. Morgen wird kein Abschluss für mich sein, nur der Beginn einer neuen Reise. »

 

 

 

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